WARLICH-INSPIRIERTE TATTOOS

In dem separierten Tatowierbereich seiner Gaststätte tätowierte Christian Warlich (1891–1964) in der Zeit der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus, unter britischer Besatzung sowie in der Bundesrepublik Deutschland. Warlich pflegte einen internationalen Austausch mit Tätowierern, aber auch mit Wissenschalern wie Walther Schönfeld und Adolf Spamer. Er vertrieb Tätowiermaterial und verkaufte es an Tattoo-Interessierte ebenso wie an Hautkliniken.

Warlich vermarktete seine Arbeit und hob das Tätowiergewerbe in Deutschland auf eine neue, professionelle Ebene. Dies gelang ihm durch den branchenübergreifenden Austausch und sein fachkundiges Auftreten in der Presse, die ihm stets wohlgesinnt war. Ebenso entscheidend waren seine seriöse und bodenständige Art sowie der gekonnte Einsatz seiner Vorlageblätter und Werbekarten, sowohl am Ort des Geschehens, in der Tätowierstube, als auch in Form von Reproduktionen in wissenschaftlichen Publikationen und Medienberichten. Diese Faktoren trugen dazu bei, dass Warlich als Urvater der gewerblichen Tätowierung in Deutschland gilt. Doch wie wurde der Hamburger Gastwirt und Tätowierer – der übrigens auch ein Pionier der Tattoo-Entfernung war – in der Zeit seines Schaffens zu einer Leitfigur der globalen Tattoo-Kultur? In erster Linie waren es die Qualität seiner Arbeiten und seine künstlerische Handschrift, die Tätowierer bis heute schätzen. Dies macht Warlich zu einem der relevantesten Tätowierer nicht nur seiner, sondern auch der heutigen Zeit. Nach wie vor dienen Warlichs Zeichnungen als Vorlagen für zeitgenössische Tätowierungen. 

Der 2016 im Tätowiermagazin erschienene Artikel „Der Heilige Gral“ vermittelt eine Vorstellung von der Bedeutung, die Warlichs Vorlagealbum als Inspirationsquelle für Tätowierer auf der ganzen Welt hat. Die Tatsache, dass die begehrte erste Ausgabe des Albums vergriffen war, führte gar dazu, dass im Jahr 2015 ein Raubdruck angeboten wurde. Der Instagram-Hashtag „#inspiredbywarlich“ dokumentiert hunderte aktuelle Warlich-inspirierte Tattoos, die allein in den letzten Jahren gepostet wurden.

Doch die Tattoo-Szene hat Warlich auch in den Dekaden vor der Nutzung von Sozialen Medien und fernab des Internets rezipiert. Seine Vorlagen dienen nicht nur als Anregung für Tätowierungen, auch finden sie sich auf verschiedenen Merchandise-Artikeln oder Textilien – wie auf einem Hawaiihemd aus den 1990er-Jahren. Auch Veranstaltungen wie Warlich-Walk-Ins tragen– damals wie heute (Abb. links) – dazu bei, dass Warlichs Vermächtnis ein wesentlicher Bestandteil der Tätowierkultur bleibt.